Die Ärzte in Dresden 2008 - Jazzfäst *Update*

Seit über einem halben Jahr habe ich 3 Karten für dieses Zusatzkonzert (Für Karten fürs Konzert am 4. Juli war ich zu langsam). Seit über einem halben Jahr freu ich mir jeden Tag n verdammtes Riesenschnitzel ans Knie. Und heute war es endlich soweit: Die beste Band der Welt, auch besser bekannt unter dem Pseudonym Die Ärzte haben sich wieder mal ins Elbflorenz verirrt. Schon gestern konnten sie 13.000 Fans zu Brei rocken, und das würde heute nicht anders werden!

Zu vor war allerdings Stress angesagt: Ich hatte, wie bereits erwähnt, die Karten schon vor einem halben Jahr gekauft. Damals, damit sie im Rucksack nicht knittern, in ein Buch über VB-Scripting gesteckt. Und dieses Buch habe ich heut Nachmittag wie die Pest gesucht, aber nicht gefunden. Kurz nachgegrübelt, wo könnte man so ein Buch mal verwendet haben. Richtig: auf Arbeit. Also musste ich zwingenderweise nochmal bei der Gläsernen Manufaktur und beten, dass das Buch, sowie die Karten noch da waren. Andernfalls hätten mich meine zwei Komparsen einen Kopf kürzer gemacht. Meine Karte hatte ich nämlich vorsorglich zu Hause mal ausgepackt gehabt, die zwei anderen Karten allerdings nicht.

Nachdem wir also kurz nach 18 Uhr an den Elbwiesen eingetrudelt sind war der Einlass schon in vollem Gange. Zu so recht früher Zeit konnte man sich allerdings noch gute Plätze hinter der 1. Absperrung sichern.

Kurz nach dem Einlass

Pogo is nich so mein Fall, drum war das dort schon OK. Kurz vor 19.30 Uhr tratt dann die Vorband, von Bela und Rod sogar angekündigt, in Kraft: Blowfly. Nie von gehört und ich muss sagen, man hat nichts verpasst. Man muss sich das so vorstellen: Da steht so n 63 jähriger Opa mit steifem Bein in Glitzerkostüm auf der Bühne, lässt sich von ner halbnackten MILNF (Mom I’d Like NOT to Fuck) umtanzen und performt 6 Lieder. Und in allen 6 Liedern gehts um seinen Schwanz und was für n Pimp er is. Hahahaaa.

Blowfly mit MILNF

Beim letzten Lied kam dann Rod mit auf die Bühne und hat mit seinem Bass eingegriffen. Sie verwurschelteten Should I stay or should I go und formten es zu Should I fuck that big fat hoe um. Klang eigentlich nicht so übel:

Die Version klingt nicht so “fett”, da der Bass von Rod fehlt.

Während der kompletten “Perfomance” wurden sie immer wieder mit Zeug beworfen - zerknülltem Papier und auch Plasteflaschen. Dies war auch am Vortag so - und noch schlimmer. Die vorderen Reihen drehten sich einfach von der Bühne weg und zeigtem Blowfly den Mittelfinger:

Dafür und für das Werfen der Gegenstände erhielten die Besucher von Freitag dann eine mündliche Verwarnung (Hab den Gesprächsverlauf aus einem Kommentar von einem Youtube-Video):

Bela: “Ihr könnt euch wegdrehen oder weggehen aber keine Sachen schmeißen.”
Bela: “Entschuldigt euch bei Blowfly.”
Masse: “Entschuldigung.”
Bela: “Kommt das vom Herzen?”
Masse: “Nein!”
Bela: “Meint Ihr Das Ernst?”
Masse: “Ja!!!”

Die Strafe dafür war, laut sächsicher Zeitung, ein leicht gekürztes Konzert sowie das “etwas weniger exquisite Programm”.

Nachdem Blowfly verschwunden war wurde das Set der Ärzte aufgebaut und die Bühne von Unrat gesäubert. Dabei flogen die Plasteflaschen und zerknüllten Papiere einfach wieder ins Publikum zurück. Das artete sogar in einem kleinen Wettbewerb zwischen den Leuten auf der Bühne, und denen davor, aus wer schneller das Zeug zur Gegenseite schmeißen konnte. Das ging sogar weiter, als der Achtung Jazz! Vorhang bereits unten hing.

Achtung Jazz

20 Uhr sollte es laut Eintrittskarte losgehen. Theoretisch zumindest. Aber Ärzte-like wurde daraus natürlich wieder nichts. 20.15 Uhr machten sich die Leute fürs Licht auf, um über der Streben in ihre Sitzboxen über der Bühne zu krabbeln. Einer war dabei so übermotiviert, dass er sich mit den Beinen in den Verstrebungen verknotete und dann, unter tobendem Gejaule der Menge, Kopfüber hängen lies.

Ab und zu hörte man mal dahinter das Schlagzeug kurz Trommeln oder den Bass erklingen. Sofort applaudierten viele und die Wir wollen die Ärzte sehen-Sprechchöre wurden wieder lauter. Man kennt das ja. Sogar außerhalb des Veranstaltungsgelände, nämlich auf der rund 150m entfernen Carola-Brücke, hatten sich einige Zuschauer eingefunden, die sogar von Bela später noch zum Massenhüpfen aufgerufen wurden - Stabilität der Brücke testen.

Menschen auf der Brücke Menschen auf der Brücke II

Kurz vor Halb 9 (in deutsch: 20.30 Uhr) war es dann soweit: Die ersten Töne von Himmelblau ertönten. Alles stand, alles klatschte, alles sang mit. Beim ersten Refrain fiel dann der Vorhang und so 3 lustige Typen, die sich kurz vorher noch in ne kleine Lücke reingequetscht hatten fingen vor uns volle Kanne mit Pogo an. Den kleinen Kindern (nicht wir), älteren Personen und Paaren, die sich im Arm haltend daneben standen und in Mitleidenschaft gezogen worden hats sehr gut gefallen, prima zu erkennen am Gesicht der jungen Dame, die in weiß im unteren Bildbereich zu sehen ist:

Pogo im Altersheim

Zum Glück haben sich diese Unruheherde dann nach vorne in die eigentliche Pogo-Abteilung verzogen.

Ein Besuch auf einem Ärzte Konzert lohnt sich eigentlich immer aus mindestens 2 Gründen:

  1. In vielen ihrer Lieder ändern sie die Texte auf lustige Art und Weise. So wurde zum Beispiel bei Zu Spät die Phrase “Ich wollte ihn verprügeln, deinen Supermann ich wußte nicht, das er auch Karate kann!” in “Er ist ein Arschloch und ich würd ihn gern verhaun, er will über die Elbe eine Brücke baun” umgedichtet (Anspielung auf den Hickhack mit der Waldschlösschenbrücke).
  2. Das Geschwafel und die Aktionen zwischen den Liedern.

So haben die Ärzte zb. das Nordicwalking für sich entdeckt, und zwar auf der Bühne, wenn Rod und Farin ihre Positionen tauschen:

Nordic Walking

Als Rockmusiker in dem Alter kommt man natürlich nicht mehr so leicht an Frischfleisch. Bela hat deshalb folgende Taktik entwickelt: Er tauscht einfach seine Sticks gegen Titten zum Guggn. Ein junges Mädel, welches auf den Schultern ihres Freundes sas hielt ein Plakat in die Luft, auf dem “2 Titten, 2 Sticks” stand, Sie war so spitz auf die Sticks, dass sie tatsächlich blank zog, was lobende Worte von Rod über die Beschaffenheit ihrer Brüste nach sich zog. Rod hatte btw. schon nach dem 1. Lied einen BH am Mikro hängen, den Abend über wurden es dann aber nur wenige mehr. Farin bekam dann am Abschluss des Konzerts noch einen weißen String-Tanga auf die Bühne geworfen, der von der Größe her maximal einer 12 Jährigen passen könnte.

Die wohl geilste Aktion war aber direkt im Anschluss, als Farin einwarf, dass er ja auch noch ein Plektrum zu “verkaufen” hätte. Wieder meldete sich ein junges Mädel auf den Schultern ihres Begleiters. Farin forderte sie auf, sich den Plektrum abzuholen, und ihren Begleiter auf die Bühne. Farin fragte ihn, ob er Gitarre spielen könne, Karl, so sein Name, verneinte, sagte aber, dass er es mal probieren würde. Farin überlies ihm daraufhin seine Gitarre, mutierte zu Campino und bestieg den Pfeiler auf der Bühne während Karl doch tatsächlich 2 Akkorde schrammelte, was sogar relativ gut klang. Mit dem Können könnte er zumindest bei Modern Talking einsteigen. Bela und Rod begleiteten Karl kurz, dieser heizte nochmal das Publikum an und wurde dann unter tobendem Beifall wieder von der Bühne gelassen.

Das Mädchen mit den roten Haaren holt sich den Badge Karl links an der Gitarre

Karl schrammelt Farin aka Caompino

Mittlerweile gibts ein Video von der kompletten Aktion:

Nach knapp 2¾ Stunden Programm (inklusive 3 mal von der Bühne rennen und wiederkommen um Zugaben zu spielen) war dann Schicht im Schacht.

Die Mutter-Theresa-Medaille des Abends geht übrigends an Bela. Er hat ein Lied von sich abgebrochen, da er beobachtete, wie so n Vogel einem 6 Jährigen den zuvor gefangenen Stick wegnahm.

Kommst du dir nicht ein bisschen armselig vor einem 6 Jährigen den Stick klauen zu müssen?

13.000 Pfiffe beantworteten die Frage sofort.

Es wurde viel von der neuen Platte Jazz ist Anders gespielt, Allein leider nicht. Ebenso habe ich den Alltimefavorite Mach die Augen zu vermisst. Dafür gabs natürlich Westerland, Schrei nach Liebe, Nie wieder Krieg - Nie wieder Las Vegas, Unrockbar und viele andere klasse Songs.

Das Zitat des Abends kam ebenfalls von Bela:

Zu eurer rechten jetzt der wohl bestaussehndste Mann der Welt: Farin Urlaub. Pause. Und nächstes mal erklär ich euch das Wort Ironie.

Ein persönliches Highlight gabs dann noch nach dem Döner essen am Schillerplatz als ich auf den Bus wartete. So ein paar Möchtegern-Hopper, schätzungsweise 13-14 Jahre alt hielten es für nötig in gebrochenem Deutsch und völlig schiefer Tonlage NDW 2005 von Fler zu performen - bis sie von einer Oma zusammengeschissen wurden.

Wer will kann sich alle Bilder des Abends anschauen (unten aufs Bild klicken). Bitte entschuldigt die Qualität Mancher (besonders die mit Zoom), sie sind mit einem fast 3 Jahre alten W800i aufgenommen, dessen Linse total von innen verstaub ist.

Jazzfest

12 Kommentare zu “Die Ärzte in Dresden 2008 - Jazzfäst *Update*”


  1. 1 Mordul

    hehe Die Ärzte sind komplett geil, hab sie vor 2 wochen auch live gesehn und man muss schon sagen die sind echt genial.
    die bühnenshow und den witz die die haben ;)

    aber ratm live sowieso > all ;)

  2. 2 r0jan

    ärzte fand ich auch mal cool. mit 13. :p

  3. 3 Harmeggido

    Also ich war einmal auf nem Ärzte Konzert …

    War vorher eigentlich recht zuversichtlich ” Das kann nur geil werden, das sagen alle die je da waren”

    Leider hat mir das ” Ärzte statt Böller” Konzert Sylvester 2007 entäuscht. War irgendwie keien richtige Stimmung.

    Naja vieleicht werde ich es mir irgendwann nochmal ansehen … vieleicht kommt dann das erwartet Gefühl zurück.

  4. 4 Mahra

    schön geschrieben, hab mich gerade an die letzten zwei Konzerte (vor zwei Wochen und im Dezember) erinnert :) mich haben sie mit Nichts in der Welt glücklich gemacht.

    ich find die ärzte live einzigartig und unvergesslich geil (und bin nicht ganz 13×2)

  5. 5 Nivosa

    Commärzfäst :P

  6. 6 Mordul

    vl will uns rojan damit sagen dass er erst 14 ist und die ärzte bis vor einem jahr cool fand :p

  7. 7 reddrux

    Ärzte? Opium fürs Volk, scheiße für die Massen.

  8. 8 bashae

    ärzte sind schon nice, auch wenn ich atm ziemlich andere musik höre ^^

    aber alleine schon das lied vom graf <3

    herrlich

  9. 9 smoochy

    Hab mal 3 Videos eingefügt, paar Infos zu dem Blowfly-Debakel ergänzt und ein bisschen Text geändert.

  10. 10 Mulgor

    Was für schlechte Musik die Ärzte mal machen :/
    Das einzig entfernt interessante sind die Texte und die werden beim dritten hören fad..

  11. 11 Deadlyhexx

    Ärzte sind mal übelst schlecht…

  12. 12 Xenodron

    jaja die ärzte!!!

    waar am 12.7 auf dem konzert in berlin/wuhlheide HAMMA GEIL

    aba mordul muss ich recht geben!!!
    RATM OVER ALL
    war auf dem konzert inner zitadelle spandau, hammergeil, größte party die ich je gesehn hab!!!

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